Todeswinter Episode 8

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Irgendwann war er doch eingeschlafen und durch die sonderbare Welt gewandert, die das Traumreich für ihn bereithielt. Es war keineswegs eine angenehme Wanderung gewesen, aber das hatte er auch nicht erwartet. Nach einer kurzen Zeit der Orientierungslosigkeit identifizierte er das Poltern, dass ihn aus dem Gefängnis schlaf befreit hatte als ein Klopfen an der Tür. Phill. Wer sonst würde hier durch das Haus laufen und an Türen klopfen.

Kurz warf er einen Blick auf den alten digital Wecker neben seinem Bett. Kurz vor fünf.

„Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ blaffte er, den Blick an die Decke geheftet. Wright wunderte sich selbst über seine Unfreundlichkeit, denn immerhin hatte Phill ihn gerettet und bewahrte ihn davor, weiter in dieser dunklen Welt herumirren zu müssen.

„Du hast Recht. Das Ende der Welt wird sich danach richte, wann du aus deinem selbstinduzierten, alkoholgestützten Koma erwacht bist.“

Noch einmal ein heftiges klopfen, dann wieder Phills Stimme.

„Raus aus dem Bett. Wir haben einen.“

Wrights Augen öffneten sich ohne sein Zutun soweit, dass es schmerzte. Er hatte in seinen Klamotten geschlafen, zog seinen Parker an und griff nach dem Pistolenhälfte, dass mitsamt der Waffe neben dem Bett lag. Keine zehn Sekunden später riss er die Tür auf.

„Wir können los.“

Augenblicke später saßen sie im Auto und Wright nippte an einem Kaffee vom Vortag, den er noch in der Kanne gefunden und in seinen Becher gefüllt hatte. „Hol mich mal ab.“

„Heute morgen habe ich wie üblich die Protokolle der letzten Nacht durchgesehen, weil wir ja im Wald gewesen sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass …“

Die folgenden Ausführungen dauerten mehrere Minuten und Wright verstand kein Wort. Er wusste, dass das Böse zwei Möglichkeiten hatte, in die Welt zu gelangen. Direkt oder indirekt. Ein indirektes Eindringen kam häufig vor. Die Wesen, mit denen sie es hier zu tun hatten, suchten dann den Zugang durch ein ihnen ideal erscheinendes Medium. Dabei nahmen sie bewusst in Kauf, dass sie ihren Körper verlassen und für den Zeitraum ihres Aufenthalts in unserer Welt an einen menschlichen Körper gebunden waren. Wright bevorzugte diese Art der Eindringlinge, denn sie waren durch ihren menschlichen Körper auch menschlichen Grenzen unterworfen. Und konnten sterben. Dumm war nur,  dass sich diese Besucher nicht einfach Drogendealer, Mörder und Politiker als ihre Wirte aussuchten, sondern ganz normale Menschen, sogar Kinder.

Phill schleuderte den alten Kombi regelrecht um eine Kurve und lachte laut auf. Man sollte meinen, dass jemand mit derartig vielen akademischen Abschlüssen und Auszeichnungen die Gesetze der Physik kennen und achten sollte. Phil war da allerdings anders. Die Energy Drinks und der Umstand, dass er sich auch ansonsten nur von Zucker ernährte, schienen zwar sein Denken zu beflügeln, aber überdrehten ihn auch wie ein kleines Kind, dass zulange nicht geschlafen hatte. Er hörte nicht auf, zu erklären, wie er die Anomalie aufgespürt hatte, was Wright in seinen Gedanken zu der zweiten Art, den direkten Eindringlingen, brachte. Irgendwie gelang es entweder verirrten Seelen auf ihrer Seite oder besonders mächtigen Kreaturen auf der anderen Seite, ein Tor zu erschaffen. Dadurch konnten die Kreaturen in ihrer eigentlichen Form in die Welt der Menschen eindringen. Wright stellte sich manchmal vor, wie er dieses nüchterne Fachwissen in einem Hörsaal der Universität dozierte und zahllose Studenten gebannt an seinen Lippen klebten.

In der Realität sah es leider ganz anders aus.

Hupend wich Phill dem LKW aus, der ihnen im Zuge eines Überholmanövers entgegenkam, so dass Wright es langsam mit der Angst zu tun bekam.

„Warum rast du so? Es bringt nichts, wenn du uns beide mit dieser Karre hinrichtest.“

„Wir haben keine Zeit zu verlieren. Ich habe noch nie einen Zugang …“

Wieder wechselte Phill in eine Sprache, die nur aus wissenschaftlichem Kauderwelsch bestand. Sinngemäß brachte er seine Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass dieses Tor größer, aber vor allem stabiler war, als alle, die sie bisher gefunden und verschlossen hatten. Diese Aussage untermauerte mit dem Vergleich mehrere Zahlen, deren zugehörige Einheiten klangen wie Figuren aus einem Fantasy-Roman. Ein Wert von 5 – Wright verzichtete in seiner Vorstellung auf Einheiten und Nachkommastellen – entsprach dabei etwa der Größe einer Zimmertür. Am Ende ihrer Reise würden sie auf sie Phills Ausführungen zufolge eine 7 antreffen. Eigentlich eine 7,5, aber Wright wollte sich nicht mit Details belasten.

Er warf den leeren Kaffeebecher auf die Rückbank und überprüfte das Magazin seiner Pistole. Ein 1911er Colt. Groß, klobig und mit genug Wumms, um auch das widerspenstigste Wesen aus der Realität zu entfernen. Sicher, es gab größeres, besseres, moderneres, aber das war auch immer mit größeren Kosten verbunden. Besonders auf dem Schwarzmarkt. Deshalb mussten sie nehmen, was sie bekamen und das waren ausgediente Militärwaffen aus dem Vietnamkrieg mit ausgefeilten Seriennummern.

Nur das Kampfmesser, dass in der Innentasche seines Parkers steckte, hatte Wright im Internet bestellt. Damals war er sich stark vorgekommen, aber letztlich musste er einsehen, dass es in dem Moment, wo ein Messer seine letzte Waffe gegen ein Biest von drüben war, mit ihm vorbei sein würde.

Beinahe schlug er mit dem Kopf auf das Armaturenbrett, als Phill bremste.

„Wir sind da.“

Wright wandte den Kopf zum Seitenfenster und wollte eigentlich damit beginnen, Phill wegen seiner Fahrweise die Leviten zu lesen, als ihm die Sprache im Hals steckenblieb.

„Willst du mich verarschen?“

Der Wissenschaftler schüttelte zögernd mit dem Kopf.

Leise las Wright das große Schild auf dem breiten Grasstreifen, der die Straße von einem Spielplatz mit bunten Gerüsten und Schaukeln trennte.

Arkham Elementary School.

Drei Gründe, warum Projektmanagement das Autorenleben einfacher macht

Diese Liste basiert natürlich auch meinen ureigenen Erfahrungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Du wirst jetzt lernen, warum deine Projekte nie so richtig zum Abschluss kommen.

1. Es gibt kein Projektmanagement

Genau. Das erste, einfachste und gleichzeitig größte Problem. Ich spreche da aus Erfahrung. Wenn die Muse einen geküsst hat, muss man schließlich schreiben und nicht etwa seine Zeit damit verschwenden, Flussdiagramme anzulegen. Richtig? Nein! Wenn dein Projekt etwas so umfassendes ist, wie ein Roman, ist eine ordentliche Struktur die halbe Miete. Wenn du keinen Bock darauf hast, beantworte dir selbst wenigstens die folgenden Fragen.

A. Was ist mein Ziel? Sicher, das mag überflüssig klingen, aber ganz ehrlich: was ist das Ziel? Ein erstes Manuskript? Ein fertiger Entwurf für die Testleser oder der lektorierte Roman zwischen zwei Buchdeckeln? Definiere dein Ziel konkret. Und messbar. Eine bestimmte Anzahl Wörter innerhalb eines bestimmten Zeitraums ist ein gutes Ziel. Oder der Meilenstein „erster Entwurf abgeschlossen“ – wie auch immer du deine Ziele formulierst, sie müssen klar, eindeutig und messbar sein.

B. Kann ich das Projekt mit den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen überhaupt bewältigen? Sicher, indirekt ist damit auch Geld gemeint. Spätestens, wenn ein professioneller Lektor ins Spiel kommt. Aber die wichtigste Ressource, die wir Autoren haben, ist die Zeit. Schau dir deine Ziele an. Ist der Zeitrahmen realistisch gewählt? Hast du Unterbrechungen (Urlaub, Krankheit, Entführung von Außerirdischen, Release von Fallout 4) großzügig eingeplant? Kannst du weitere Ressourcen freisetzen? Am Ende ist das wichtigste: dein Projekt muss realistisch sein. Plane mehr Zeit ein, wenn du mehr Zeit brauchst, aber verschwende sie nicht. Hast du einen Plan? Eine Todo-Liste. Ein Stufendiagramm, einen Ablaufplan. Welche Tätigkeiten fallen an? Ist die Planungsphase bereits abgeschlossen? Schreib es auf und arbeite damit. Gleiches gilt die Ziele, die du definiert hast. Nutze deinen Plan, um die Zielerreichung zu kontrollieren.

C. Hast du dein Umfeld im Griff? Ernsthaft. Hast du deinen Partner und deine Kinder darüber informiert, dass es in der nächsten Zeit zeitlich eher eng werden wird? Das ist wichtig, denn nur, wenn dein Umfeld dich versteht, unterstützt und in deiner Tätigkeit als Autor akzeptiert, wirst du erfolgreich sein können. Teilen deinen Zeitplan mit deiner Familie oder deinen Freunden. Und – auch wenn es hart klingt – sei Konsequent in der Einhaltung. Wenn der Bann erstmal gebrochen ist, kannst du deinen persönlichen Zeitplan gleich ganz entsorgen.

2. Es findet keine Kontrolle statt

Am Ende muss ich nur mich selbst belügen, wenn ich mal wieder nicht 1.666 Wörter geschrieben habe. Morgen mache ich mehr, stimmt’s? Du hast Ziele definiert. Also kontrolliere ihre Einhaltung. Plane ein, dass du einen gewissen Anteil deiner Zeit darauf verwenden musst, zum einen dein Projekt zu kontrollieren (Termine, Ziele, Ressourcen, Umfeld), zum anderen aber auch die erbrachte Leistung zu kontrollieren. Quantitativ und qualitativ. Warum ist das wichtig? Niemandem geht man so schnell auf den Leim wie sich selbst.

Eine gute Möglichkeit für eine regelmäßige Kontrolle ist entweder eine so großartige Veranstaltung wie der NaNoWriMo oder aber wieder dein Umfeld. Während des NaNoWriMo 2014 musste ich unserem Zehnjährigen zweimal erklären, warum ich meinen Wordcount nicht geschafft habe und habe ihn ab dann immer gehalten. Ein wenig sozialer Druck ist gut für das Projekt. Aber Stress soll da keiner draus werden. Thematisiere deine Erlebnisse während des Schreibens in deiner Familie, deinem Freundeskreis oder deiner Schreibgruppe. Schreib ein Projekttagebuch. Das muss nicht noch ein Roman werden, sondern nur ein Satz über deine Stimmung, dein Wordcount und warum du dein Ziel für dieses Arbeitspaket erreicht hast oder nicht. Je mehr Informationen du auf diese Weise erfasst, ohne dabei natürlich den Rahmen zu sprengen, desto leichter wird es dir in der letzten Phase des Projektes fallen, festzustellen, warum wann auf welche Weise hätte besser laufen können.

Und damit kommen wir zu letzten Punkt.

3. Es wird einfach nichts gelernt.

Schaust du zurück auf deine Projekte und fragst dich, was du hättest bessermachen können? Nein? Schäm dich! Nur auf diese Weise kannst du dich entwickeln – nicht nur als Autor, sondern eben auch als Projektmanager. Hast du dein Terminziel erreicht? Nein? Warum nicht? War der Zeitplan zu eng gefasst? Hast du dein Umfeld nicht genug involviert? In 149 von 150 Fällen hast du deinen Wordcount nicht erreicht? Nun, wenn du nicht kontrollierst, was du machst, wirst du diese Aussage nicht treffen können. Ich habe  auf diese Weise festgestellt, dass meine produktivsten Arbeitszeiten zwischen 23:00 und 01:00 Uhr liegen. Wenn alle schlafen. Sicher kann ich auch zu anderen Zeiten schreiben, aber in diesen zwei Stunden bin ich produktiver, als zu jeder anderen Zeit am Tag.

Ziel eines Romanprojektes muss also immer auch sein, hinterher besseres Projektmanagement betreiben zu können. Formuliere deine Ziele präziser, plane deine Ressourcen besser, binde dein Umfeld aktiver mit ein. Während der Umsetzung gehen dir ansonsten sehr viele wichtige Erkenntnisse über dich selbst, deine Art zu Arbeiten und eben das richtige Planen von solchen Projekten verloren.

Also, geh los und manage Projekte!

Todeswinter Episode 7

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Später.

Wright lag auf seinem Bett und starrte aus dem Dachfenster in den dunklen Nachthimmel. Er wollte nicht einschlafen. Die Träume würden kommen und das würde ihn wirklich fertigmachen. Nein, er konnte es nicht gebrauchen, morgen wieder den ganzen Tag in den Seilen zu hängen. Sein Blick ließ vom Sternenhimmel ab und wanderte zum Nachtschränkchen neben dem Bett. Ungelenk wühlte er mit der Hand in dem Haufen von leeren Tablettendosen aus rotem, durchsichtigen Kunststoff. Erfolglos, wie er etwas später feststellte.

Sie hatten schreckliche Dinge getan. Mit guten Gründen. Reichte das als Legitimation? Die Träume würden kommen. Er hatte sie schon immer gehabt. Bereits als Kind und nach dem Sturz von einer Klippe ins Meer hatten sie zugenommen. Phill – bereits damals sein bester Freund – hatte ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht. Sie hatten jedoch niemals über die Träume gesprochen. Über das, was Wright antrieb noch viel weniger. Irgendwie ärgerte es ihn, so dass  er sich – mal wieder – vornahm, diesen Umstand zu ändern und das Gespräch zu suchen. Es war wichtig, das Phill wusste, warum sie wirklich taten, was sie taten und noch tun würden.

Nervös wälzte er sich im Bett von einer Seite auf die andere, fand aber keinen Schlaf. Natürlich war das gut, denn dann blieben die Träume aus, aber auf der anderen Seite war er Müde. Die vergangene Nacht hatte ihn geschafft. Langsam setzte er sich auf, zog sein T-Shirt zurecht und umklammerte die angezogene Knie mit den Armen. Hätte er doch nur auf seine Eltern gehört. Eine Einsicht, die für einen Enddreißiger wie ihn vielleicht ein wenig zu spät kam. Seine Mutter hatte ihn immer ermutigt, Literaturwissenschaften zu studieren und etwas aus seinem Talent im Umgang mit Worten zu machen. Schriftsteller, Journalist, ganz egal. Er hatte nicht auf sie gehört und war – vermutlich indirekt ausgelöst durch seinen Vater – an die Uni gegangen, um Betriebswirtschaft zu studieren. Und dann Marketing. Zufrieden hatte es ihn nie gemacht, denn die Träume waren immer wieder gekommen. Sie wurden realer, so real, bis er sie nur noch mit Alkohol und Tabletten überhaupt bewältigen konnte. Selbstverständlich war er nicht dumm und wusste ganz genau, wie falsch sein Handeln war, doch er hatte keine andere Wahl. Ärzte fürchtete er noch mehr, als die Träume. Tief in seinem Inneren pulsierte die Angst, für den Rest seines Lebens in eine Gummizelle geworfen zu werden, wenn er sich jemandem offenbarte. Womöglich war das aber auch der Motor, der ihn antrieb. Der Drang, das Böse zu finden und ihm seine schreckliche Maske vom Gesicht zu reißen. Irgendjemand musste es schließlich tun. So sah es Phill auch. Nein, er hatte es sogar genau mit diesen Worten gesagt. Jenseits seiner nüchternen Sachlichkeit hatte er Verbal die Ärmel hochgeschoben und sich spontan bereit erklärt, seine vielversprechende Karriere aufzugeben, um ihm zu folgen. Folgen. Wright dachte über diese Formulierung nach. War er der Anführer ihrer kleinen Gemeinschaft?

Genervt sprang er auf und marschierte durch das Schlafzimmer zu seinem Schreibtisch. Er war alt, abgegriffen und eine der beiden Schubladen war kaputt. Aus der anderen zog er das in einen alten Lappen eingeschlagene Tagebuch. Er hatte es in einem Antiquriat gefunden. Zufällig. Doch sein Inhalt beschrieb sein Träume besser, als er sie hätte jemals in Worte fassen können. Wright wusste nicht, was genau letztendlich den Schalter umgelegt hatte, doch seitdem er in Besitz dieses Dokument war, hatte er begonnen, das Böse zu wirklich wahrzunehmen. Wenn man die Augen aufhielt, lauerte es hinter jeder Ecke, in jedem Schrank und unter jedem Bett. Er hatte begonnen, Bücher zu lesen. Alte Bücher, viel älter als das Tagebuch, mit dem alles begonnen hatte. Die Bibliothek der Miskatonik-Universität war ausgezeichnet bestück. Nach und nach begann sich ein Muster abzuzeichnen, dass er zwar noch nicht in seiner Gesamtheit erfassen konnte, aber er wusste, dass es da war. Natürlich war er sich selbst darüber im Klaren, dass Formulierungen wie „das Muster“ oder „man muss nur genau hinsehen, um das Böse zu erkennen“ ihn nicht unbedingt weiter von der Gummizelle entfernten. Es waren die Phrasen von Geisteskranken und Verschwörungstheoretikern, die – zumindest sah Wright das so – bei ihm das erstem Mal in einem klaren Verstand gelangt waren.

Er blätterte das Tagebuch durch. Da war etwas, zwischen dem hunderte Jahre alten Papier, das nicht greifbar war, aber ihm einen Schauer über den Rücken jagte. Der Text selbst war schon abnorm und konnte ohne weiteres mit jedem Horror-Roman, den er gelesen hatte, mithalten, doch das Gefühl, dass ihn beim Lesen überkam. Er klappte es wieder zu, doch der Nachhall des Gefühls blieb und genügte, seine Überzeugung darin zu bestärken, dass es richtig war, was er tat. Dass es zum Wohle aller war.

Ob das die dreiköpfige Familie, deren Zähne immer noch im Beutel auf dem Schreibtisch langen auch so sah?

Todeswinter Episode 6

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„Damit verdienen wir kein Geld,“ Wright fluchte, als er auf dem kleinen Taschenrechner die finanziellen Mittel ihres Ladens noch einmal durchgerechnet hatte.

„Ich sagte ja, dass es illusorisch sei, dass wir mit unserer kleinen Unternehmung genug Geld verdienen, um die Rettung des Universums zu finanzieren.“

„Vielen Dank,“ Wright durchbohrte Phill mit seinem Blick, „es ist nicht so, dass man mehrere Doktortitel dazu benötigt, um das zu erkennen. Darauf bin ich alleine gestoßen.“

Phill schwieg, drehte sich dann auf dem Barhocker vor dem Tresen um die eigene Achse und setzte sein Schweigen fort. Wright stand auf der anderen Seite des Tresens und sah sich im Laden um. Er war nicht groß, vielleicht vierzig Quadratmeter, aber bis unter die Decke vollgestopft mit Gerümpel. Oder Antiquitäten. Das kam auf die Betrachtungsweise an. Sie hatten das Townhouse, dessen unteres Stockwerk die Ladenfläche samt Schaufenster ausmachte, zu einem lächerlich niedrigen Preis gekauft. Phill hat seine Ersparnisse eingebracht und Wright den Rest der kleinen Erbschaft, die sein Onkel ihm hinterlassen hatte. Phill hatte ihn vor den zahlreichen Mängel, die das Gebäude aufwies, gewarnt. Mehr als deutlich, aber letztlich hatte er sich überzeugen lassen.

Über dem Laden gab es noch zwei Stockwerke, eines mit einer funktionierenden Küche, dass sie als Wohnzimmer betrachteten und das darüber. Hier hatten sie ihre Privatgemächer untergebracht, in denen Wright seine Blurays und Comics lagerte und Phill vermutlich Bücher. So recht wusste er es aber nicht, denn niemand durfte einen Fuss durch die Tür setzen. Sein Mitbewohner war in dieser Hinsicht eigen.

Der eigentlich Grund, warum dieses Haus wie für sie gemacht schien und letztlich den Zuschlag bekommen hatte, war nicht der Preis und auch nicht der Trödelladen, den sie umsonst dazu bekamen, sondern der Keller. Zwei Untergeschosse und etwas – bestenfalls als Gewölbe zu betrachtendes, dass sie noch nicht vollständig erkundet hatten. Mehr als genug Platz für mehrere LKW-Ladungen an Geräten, die sie nach ihrer unfreiwilligen Exmatrikulation von der Universität ausgeliehen hatten. Selbst Phill sah sich als Dieb an, beruhten die meisten Entwicklungen schließlich auf seinen Konzepten.

Im Laufe der Wochen war so aus dem ersten Kellergeschoss das Geheimlabor geworden. Nach langer Diskussion hatten sie sich auf diesen Namen einigen können. Mit etwas aufwand war es ihnen außerdem gelungen, die Strom und Gasverbindungen der Nachbarhäuser anzuzapfen. Für die Nachbarn war das vielleicht nicht optimal, aber immerhin stand das Wohl der Welt auf dem Spiel. Und die Breitbandleitungen auch. Natürlich.

Ein wenig schwierige war der Ausbau des zweiten Untergeschosses gewesen. Früher einmal musste das ein nachträglich gegrabener Kohlenkeller gewesen sein, der aus vielen kleinen Räumen bestanden hatte. Schwere gusseiserne Gittertüren – eigentlich für den Einsatz im Garten gedacht – aus dem Baumarkt versperrten nun die auf diese Art und Weise entstandenen Zellen. Eine Kohlenluke führte durch einen langen Schacht direkt nach draußen.

Wright schreckte auf. „Hast du …“entfuhr es ihm, doch Phill griff der Frage vor und zeigte auf einen leere, blutbeschmierten Blecheimer. „Unsere Gäste sind bestens versorgt.“

Sofort beruhigte er sich wieder und sog die modrige Luft in die Lunge. Das Haus war perfekt. Er liebte es. Nun mussten sie nur noch anfangen, mit ihrer Geschäftsidee Geld zu verdienen. Das war dringend notwendig. Die Rechnungen stapelten sich, sie brauchten modernere Waffen und keine unwesentlichen Summen für Forschung und Entwicklung. Außerdem mussten sie sich Gedanken darum machen, wo sie weiterhin größere Mengen Hundefutter und Schweineblut herbekamen ohne aufzufallen. Sie mussten immer weiter fahren, weil die lokalen Schlachtereien bereits anfingen, Fragen zu stellen.

Phills Smartphone gab einen generischen Ton von sich. In einer U-Bahn hätte das Geräusch wahrscheinlich bei jedem anderen Fahrgast ebenfalls einen Blick aufs Display provoziert. Technische Konformität war gut, dozierte Phill immer wieder und zog das Gerät aus der Tasche, fummelte einen Moment herum und hob dann langsam den Kopf. Er grinste.

„Es hat tatsächlich jemand auf unsere Anzeige geantwortet.“

Tondeswinter Episode 5

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Aus einem verbrannten Tagebuch.

31.12.2014
Ich habe dieses Tagebuch zu Weihnachten bekommen. Weihnachten 2013, um genau zu sein. Von meinen Eltern. In dieser schnelllebigen Zeit solle man sich auch hin und wieder darauf besinnen, was wirklich wichtig ist. Und genau das solle ich in diesem Tagebuch festhalten. Ich gebe zu, eine Mischung aus Gereiztheit über den allgegenwärtigen erhobenen Zeigefinger hinsichtlich meines Lebensstils und ein wenig Erstaunen über die Tiefgründigkeit dieser Geste überkam mich.

Mein Vorsatz für das neue Jahr? Tagebuchschreiben.

01.01.2015
Mein Kater bringt mich um. Ich bin erst am späten Nachmittag aufgewacht. Ich habe mit Freunden gefeiert und es dabei mal wieder übertrieben. Auch nach 32 Jahren kenne ich mein Maß einfach nicht. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Mein Vater hat nur amüsiert die Nase gerümpft. Selbstverständlich liebe ich meine Eltern, aber ich will nach Hause. Das ländliche Neuengland hat ohne Zweifel seine schönen Seiten, aber ich vermisse die Stadt, die Universität und meine Brandband-Internetleitung. Nicht einmal mein Smartphone funktioniert hier draußen.

Morgen trete ich die Heimreise an.

02.01.2015
Heute habe ich mich auf den Heimweg. Irgendwie mag ich es, mit einem dampfenden Becher Kaffee und einen von diesen Talkie-Radionsendern, auf den kaum Musik gespielt wird, lange Strecken im Auto zurück zu legen. Mein Vater hat mir zum Abschluss eine kurze Version sein immer wiederkehrenden Wirf-dein-Leben-nicht-Weg-Rede gehalten. Nein, Dad, werde ich nicht. Ja, Dad, ich schaue mich nach einem Job um. Nein, Dad, ich habe keine Freundin. Er ist anstrengend, aber ich liebe meinen alten Herren. Meine Mutter hat in den letzten Jahren eine unsagbare Angst davor entwickelt, dass ich homosexuell sei und schenkt meinen gegenteiligen Beteuerungen keinen Glauben.

03.01.2015
Ein Freitag ist nicht der schlechteste erste Arbeitstag nach dem Weihnachtsurlaub. Auf dem Campus der Uni war noch nicht so viel los, wie eigentlich hätte los sein sollen. Vermutlich lag das an dem schlechten Wetter. Mein Kater sorgte zwar noch immer für einen permanenten Kopfschmerz, doch in meiner Rolle IT-Service Mitarbeiter hatte so früh im Jahr nicht mit viel Kundenverkehr zu rechnen.

Aufgrund der Ferien war ich der einzige Mitarbeiter unserer Abteilung in dem viel zu engen Büro. Normalerweise hatte ich beim betreten der kleinen IT-Höhle immer das Bedürfnis, meine Doktorarbeit schneller voranzutreiben, als ich es tat. Diesmal allerdings war es der Jahreswechsel, der jede Ambition verhinderte. Ich checkte meine E-Mails, fand dort aber außer Schichtplanänderungen und Bekanntgaben zu geplanten Umbauarbeiten dieses oder jenes Hörsaals oder dem eingeschränkten Speiseplan der Mensa während der Weihnachtsferien nichts von Relevanz.

Neben meinem eigentlichen Arbeitsplatz – einem in die Jahre gekommenen Desktop PC und einem abgenutzten Headset – platzierte ich die inzwischen hochoptimierte Kombination aus meinem privaten Laptop, dem größten Becher Kaffee, den man für Geld kaufen konnte, einer Tüte mit Backwaren und der aktuellen Tageszeitung.

Das Telefon klingelte nicht ein einziges mal.

10.01.2014
Da war sie, diese Anzeige. Inmitten des entsprechenden Abschnitts der Tageszeitung, zwischen Menschen, die ihre Garagen vermieteten und Menschen, die ihre … Stimme … vermieteten stand sie. Einfach so.

GESUCHT: Jemand, der mit uns gegen die Welt rettet. Das ist kein Witz. P.O. Box 231 Arkham, MA 01950. Bezahlung bei Überleben. Eigene Waffen ein Muss. Es wird keine Haftung übernommen. Wir haben das erst einmal gemacht.

„Der Garten“ jetzt lesbar

Meine jüngste Kurzgeschichte Der Garten steht pünktlich zum Wochenende HIER zum Download bereit. Begleite Cord Wolff auf seinem Weg durch den finstren Wald bis hin zu den tiefsten Abgründen seiner Seele. Das wäre ein guter Pitch für meine Story, aber ich möchte nicht übertreiben. Stattdessen ist es einfach eine kleine, aber sehr feine Gruselgeschichte. Genau das Richtige für den sterbenden Winter…

Viel Spaß!

Totlaender – S01E01 – „Zeiss“ als E-Book verfügbar

Nachdem ich in der jüngeren Vergangenheit bereits angefangen habe, meine Gruselgeschichten als E-Books im Tausch für Kaffee zur Verfügung zu stellen, folgt nun die erste Episode aus dem Totland. Diese Veröffentlichung ist gleichzeitig der Startschuss für die Veröffentlichung verschiedener Geschichten aus dem Totland, die ich – so ist der Plan – monatlich veröffentlichen werde. Diese erste Episode basiert auf meiner preisgekrönten Kurzgeschichte „Zeiss“.

Hier geht es zum Download. Viel Spaß beim Lesen.

Erste E-Book Schritte – eine Selbstkritik

Ich wäre nicht ich, wenn hier nicht von Zeit zu Zeit ein gesundes Maß an Selbstkritik zur Anwendung kommen würde. Im Zuge der Vorbereitung meiner E-Books sind mir nämlich einige Dinge klargeworden:

1. Meine Druckvorlagen sind keine guten E-Books

2. Ich möchte – zumindest an mancher Stelle – noch einmal nacharbeiten

3. Word ist Mist. Scrivener ist wirklich erheblich besser geeignet.

Daraus resultieren direkt zwei neue Todos für meine unendliche Liste. Zum einen muss ich mich mit der Formatierung von E-Books ernsthaft auseinandersetzen, zum anderen wird zumindest Immer nur bei Nacht noch einmal durch die Mangel gedreht. Aus jetziger Sicht hat das Endprodukt bestenfalls das Niveau eines überarbeiteten Entwurfs. Das wird der Geschichte leider keinesfalls gerecht, weshalb ich hier in den nächsten Woche noch ein wenig Zeit investieren werde. Diesen „Director’s Cut“ stelle ich dann natürlich ebenfalls kostenlos zur Verfügung.

Mit Aus der Tiefe bin ich inzwischen sehr zufrieden. Das Absatzbild stimmt endlich. Ich habe ich Erwägung gezogen, das alternative Ende ebenfalls zu veröffentlichen, habe aber momentan noch Bedenken, dass es zu drastisch sein könnte.

HIER kannst du übrigens die beiden E-Books herunterladen.

 

Gruseliger Lesestoff für euch :-)

Mit dem Launch der neuen Website habe ich bereits angekündigt, meine Werke kostenfrei – oder gegen Kaffee – zur Verfügung zu stellen. Manchmal kommt der Alltag dazwischen, so dass es eine Weile gedauert hat. Ab sofort kannst du also Immer nur bei Nacht und Aus der Tiefe in den gängigen E-Book Formaten und ohne DRM herunterladen und lesen.

Feedback ist übrigens jederzeit willkommen 🙂

Also, dreh das Licht runter, koch dir einen Kaffee und komm gemeinsam mit mir zurück in den düsteren Teil von Neuengland.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen.

HIER gehts zum Download.

 

Todeswinter Episode 4

Hier ist Episode 4 meines aus einer Schreibübung entstandenen neuen Projekts. Wie immer unzensiert auch garantiert nicht noch einmal gelesen. Die ersten Episoden kannst du hier lesen. 
Der Weg aus dem Wald zurück nach Arkham hatte sich ewig hingezogen. Der Schneesturm war schlimmer geworden und sie hatten im Radio gehört, wie er bereits den gesamten öffentlichen Nahverkehr der Stadt lahmgelegt hatte. Innerhalb von wenigen Stunden und ohne, dass sich die Stadtverwaltung hätte darauf vorbereiten können. Wright hasste den neuenglischen Winter.
Aufwändig manövrierte Phill ihren alten Kombi rückwärts die in die Garage neben ihrem kleinen Laden, rammte dabei zwei größere Schneehaufen, die einer der Schneeflüge im verzweifelten Versuch angehäuft hatte, die Straßen der Stadt freizuhalten. Man wollte Reaktionsfähigkeit und Entschlossenheit demonstrieren, nachdem im letzten Jahr der Wintereinbruch und der Stromausfall beinahe zu Aufständen in den Straßen geführt hatten. Wright kannte den waren Grund für den Stromausfall und wat sich sicher, dass es keine öffentlichen Proteste gegeben hätte, wenn auch die Öffentlichkeit die Ursache gekannt hätte. Die Verkäufe von Schrotflinten, Konservendosen und – aufgrund ein falschen Verständnisses der Situation – Kruzifixen wären in stattdessen in die Höhe geschossen.
Mit einem Druck auf die Fernbedienung neben der Sonnenblenden, die mehr aussah wie der Auslöser für die Selbstzerstörung, den Schleudersitz oder beides, schloss Phill das Garagentor. Klappernd protestierten die eisernen Lamellen gegen die plötzliche Bewegung. Wright schlug seinem Kollegen auf die Schulter.
„Wir haben es geschafft.“
Phill nickte, konnte seinen Ekel vor dieser aus seiner Sicht primitiven Geste trotzdem nicht verbergen. „Ja. Das haben wir. Mit Glück – und das darf kein Faktor sein, der unseren Erfolg maßgeblich beeinflusst. Wir müssen die Prozesse optimieren. Ich werde mich gleich, nachdem ich die Daten zu diesem Auftrag archiviert habe, damit auseinandersetzen.Inzwischen war er ausgestiegen, knallte die Tür des Kombis zu und ging zum kleinen Kühlschrank am hinteren Ende der Garage.
Sein Verstand wurde gefordert. Seine Angst war verschwunden und Gedanken um weltliche Dinge wie das eigene Überleben machte Phill sich schon lange keine mehr. Er zog zwei Bier aus dem ausschließlich mit Getränken gefüllten Schrank und reichte sie Wright. Dann nahm er selbst eine Dose seiner aus Osteuropa importierten Energydrinks.Manchaml fragte sich Wright, warum sie sich eigentlich sorgen darüber machten, in Ausübung ihrer Pflicht ums Leben zu kommen, wenn nur wenige Meter von den Schlafzimmern entfernt mehrere Liter einer Substanz lagerten, bei der selbst die Seuchenschutzbehörde glänzende Augen bekommen würde. Erschöpft lehnte er sich an die Werkbank, unter der sich der Kühlschrank versteckte, als hätte er Angst vor seinen Besitzern. Zischend flog der Schraubverschluss der Bierflasche auf den Boden.
„Auf unseren ersten Job.“ Er streckte die Bierflasche Phill entgegen, welcher seine Dose dagegen stieß. „Auf uns.“ erwiderte Phill.
Dann tranken sie schweigend und hörten dem Wind zu, der an dem billigen Garagentor zerrte. Wright spürte, wie der Stress der letzten Tage von ihm abfiel. Er hatte nicht sehr viel geschlafen und Phill vermutlich überhaupt nicht.