Drei Gründe, warum Projektmanagement das Autorenleben einfacher macht

Diese Liste basiert natürlich auch meinen ureigenen Erfahrungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Du wirst jetzt lernen, warum deine Projekte nie so richtig zum Abschluss kommen.

1. Es gibt kein Projektmanagement

Genau. Das erste, einfachste und gleichzeitig größte Problem. Ich spreche da aus Erfahrung. Wenn die Muse einen geküsst hat, muss man schließlich schreiben und nicht etwa seine Zeit damit verschwenden, Flussdiagramme anzulegen. Richtig? Nein! Wenn dein Projekt etwas so umfassendes ist, wie ein Roman, ist eine ordentliche Struktur die halbe Miete. Wenn du keinen Bock darauf hast, beantworte dir selbst wenigstens die folgenden Fragen.

A. Was ist mein Ziel? Sicher, das mag überflüssig klingen, aber ganz ehrlich: was ist das Ziel? Ein erstes Manuskript? Ein fertiger Entwurf für die Testleser oder der lektorierte Roman zwischen zwei Buchdeckeln? Definiere dein Ziel konkret. Und messbar. Eine bestimmte Anzahl Wörter innerhalb eines bestimmten Zeitraums ist ein gutes Ziel. Oder der Meilenstein „erster Entwurf abgeschlossen“ – wie auch immer du deine Ziele formulierst, sie müssen klar, eindeutig und messbar sein.

B. Kann ich das Projekt mit den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen überhaupt bewältigen? Sicher, indirekt ist damit auch Geld gemeint. Spätestens, wenn ein professioneller Lektor ins Spiel kommt. Aber die wichtigste Ressource, die wir Autoren haben, ist die Zeit. Schau dir deine Ziele an. Ist der Zeitrahmen realistisch gewählt? Hast du Unterbrechungen (Urlaub, Krankheit, Entführung von Außerirdischen, Release von Fallout 4) großzügig eingeplant? Kannst du weitere Ressourcen freisetzen? Am Ende ist das wichtigste: dein Projekt muss realistisch sein. Plane mehr Zeit ein, wenn du mehr Zeit brauchst, aber verschwende sie nicht. Hast du einen Plan? Eine Todo-Liste. Ein Stufendiagramm, einen Ablaufplan. Welche Tätigkeiten fallen an? Ist die Planungsphase bereits abgeschlossen? Schreib es auf und arbeite damit. Gleiches gilt die Ziele, die du definiert hast. Nutze deinen Plan, um die Zielerreichung zu kontrollieren.

C. Hast du dein Umfeld im Griff? Ernsthaft. Hast du deinen Partner und deine Kinder darüber informiert, dass es in der nächsten Zeit zeitlich eher eng werden wird? Das ist wichtig, denn nur, wenn dein Umfeld dich versteht, unterstützt und in deiner Tätigkeit als Autor akzeptiert, wirst du erfolgreich sein können. Teilen deinen Zeitplan mit deiner Familie oder deinen Freunden. Und – auch wenn es hart klingt – sei Konsequent in der Einhaltung. Wenn der Bann erstmal gebrochen ist, kannst du deinen persönlichen Zeitplan gleich ganz entsorgen.

2. Es findet keine Kontrolle statt

Am Ende muss ich nur mich selbst belügen, wenn ich mal wieder nicht 1.666 Wörter geschrieben habe. Morgen mache ich mehr, stimmt’s? Du hast Ziele definiert. Also kontrolliere ihre Einhaltung. Plane ein, dass du einen gewissen Anteil deiner Zeit darauf verwenden musst, zum einen dein Projekt zu kontrollieren (Termine, Ziele, Ressourcen, Umfeld), zum anderen aber auch die erbrachte Leistung zu kontrollieren. Quantitativ und qualitativ. Warum ist das wichtig? Niemandem geht man so schnell auf den Leim wie sich selbst.

Eine gute Möglichkeit für eine regelmäßige Kontrolle ist entweder eine so großartige Veranstaltung wie der NaNoWriMo oder aber wieder dein Umfeld. Während des NaNoWriMo 2014 musste ich unserem Zehnjährigen zweimal erklären, warum ich meinen Wordcount nicht geschafft habe und habe ihn ab dann immer gehalten. Ein wenig sozialer Druck ist gut für das Projekt. Aber Stress soll da keiner draus werden. Thematisiere deine Erlebnisse während des Schreibens in deiner Familie, deinem Freundeskreis oder deiner Schreibgruppe. Schreib ein Projekttagebuch. Das muss nicht noch ein Roman werden, sondern nur ein Satz über deine Stimmung, dein Wordcount und warum du dein Ziel für dieses Arbeitspaket erreicht hast oder nicht. Je mehr Informationen du auf diese Weise erfasst, ohne dabei natürlich den Rahmen zu sprengen, desto leichter wird es dir in der letzten Phase des Projektes fallen, festzustellen, warum wann auf welche Weise hätte besser laufen können.

Und damit kommen wir zu letzten Punkt.

3. Es wird einfach nichts gelernt.

Schaust du zurück auf deine Projekte und fragst dich, was du hättest bessermachen können? Nein? Schäm dich! Nur auf diese Weise kannst du dich entwickeln – nicht nur als Autor, sondern eben auch als Projektmanager. Hast du dein Terminziel erreicht? Nein? Warum nicht? War der Zeitplan zu eng gefasst? Hast du dein Umfeld nicht genug involviert? In 149 von 150 Fällen hast du deinen Wordcount nicht erreicht? Nun, wenn du nicht kontrollierst, was du machst, wirst du diese Aussage nicht treffen können. Ich habe  auf diese Weise festgestellt, dass meine produktivsten Arbeitszeiten zwischen 23:00 und 01:00 Uhr liegen. Wenn alle schlafen. Sicher kann ich auch zu anderen Zeiten schreiben, aber in diesen zwei Stunden bin ich produktiver, als zu jeder anderen Zeit am Tag.

Ziel eines Romanprojektes muss also immer auch sein, hinterher besseres Projektmanagement betreiben zu können. Formuliere deine Ziele präziser, plane deine Ressourcen besser, binde dein Umfeld aktiver mit ein. Während der Umsetzung gehen dir ansonsten sehr viele wichtige Erkenntnisse über dich selbst, deine Art zu Arbeiten und eben das richtige Planen von solchen Projekten verloren.

Also, geh los und manage Projekte!