Todeswinter Episode 3

20 Minuten schreiben. Ohne Kontrolle und garantiert, ohne es noch einmal gelesen zu haben. Schaut euch gerne auch Teil 1 und Teil 2 an. Viel Spaß beim Lesen. 

Wortlos saßen die beiden Männer im Auto. Der Geruch nach verbranntem Fleisch und Benzin würde sich vermutlich ewig in den Polstern der Sitze festsetzen.
Phill lenkte den alten Kombi stoisch durch den verschneiten Wald und richtete seinen Blick eine Spur zu Bewusst auf das, was sich im Licht der Scheinwerfer vor ihm auf der Straße abspielte. Es hatte begonnen zu schneien und Wright verfluchte, dass sie sich kein moderneres Auto – oder zumindest eines mit einer funktionierenden Heizung leisten konnten. Das Geschäftsmodell hatte zumindest in der Theorie erheblich besser funktioniert, als es das in nüchternen Realität tat.
Auf dem Armaturenbrett lag noch der Stapel Briefe, den er kurz vor ihrem ersten Einsatz aus dem Briefkasten gefischt hatte. Der Inhalt beschränkte sich auf Rechnungen, Mahnungen und Werbung. Wright öffnete keinen davon und widerstand dem Drang, den Stapel einfach aus dem Fenster zu werfen.
„Wir sind Mörder!“ platzte es aus Phill heraus. Die Intensität seiner Worte erweckte den Anschein, als hätte die ersten zwanzig Minuten der Fahrt dafür genutzt, sie vorzubereiten.
„Du weißt, dass das nicht stimmt.“ Wright rollte mit den Augen. „Im Grunde genommen sind wir sogar Helden.“
„Helden, die im Gefängnis enden werden. Wir sind viel zu unvorsichtig gewesen. DNA-Spuren, Fingerabdrücke, Fuß- und Reifenspuren. Und das sind nur die oberflächlichen Hinweise, die wir hinterlassen haben. Wir haben kein Alibi für die Tatzeit und wir …“ weiter kam er nicht, denn Wright fiel ihm ins Wort. „Wir haben dieses Gespräch doch schon geführt.“ begann er, erfreut darüber, dass die Panik aus seinem Kollegen wich und sein überragender Verstand wieder die Kontrolle übernahm. „Wir haben kein Motiv und stehen in keiner Verbindung zu … “ jetzt stockte Wright auf der Suche nach dem richtigen Begriff.
„… den Opfern? Den unschuldigen Opfern?“ ergänzt Phill.
„Du weißt, dass sie nicht unschuldig waren.“
„Ich,“ er holte Luft, „weiß das. Aber die Strafverfolgungsbehörden nicht. Es macht uns auch nicht glaubwürdiger, wenn wir ihnen erklären, warum wir sie nicht für unschuldig gehalten haben.“
Wright erhob die Stimme. „Sie waren NICHT unschuldig! Du hast die Berechnungen doch selbst geprüft.“
„Ich habe sie nicht nur geprüft, sondern selbst aufgestellt und mehrmals verifiziert,“ korrigierte Phil, selbst entsetzt darüber, dass sein Stolz die letzten Reste seiner Panik vertrieb. „Eine andere Option hatte ich nicht. Oder glaubst du, dass ich auf Grundlage der Zahlen von einem Obdachlosen losziehe und … “ Wright hob die Hand. „Lass es gut sein. Held sein hin oder her, aber es wird nicht besser, wenn wir es zerreden.“
„Sie werden uns verfolgen,“ er sprach so leise, dass man ihm aufgrund des kaputten Auspuffs und der überall losen Verkleidung kaum noch verstehen konnte. „Sie werden nicht ruhen, bis sie uns haben.“
Wright nickte. Es war ein Dilemma, in das sie hier geraten waren. Entweder sie lagen falsch und Dog, der Penner hatte ihnen wirklich falsche Berechnungen vorgelegt. Dann hätten sie ein Problem, dessen finale Konsequenz ein langer Aufenthalt in Shawshank sein würde. Oder sie lagen richtig. Dann hatten sie zwar die Welt gerettet, aber …
Wright gestattete sich nicht, diesen Gedankengang bis ans Ende zu verfolgen und starrte aus dem Seitenfenster in den Schneesturm, der unbemerkt von ihnen entstanden war. Jetzt war er es, der etwas zu stoisch aus dem Fenster blickte. Und Angst hatte.