20 MINUTEN ODER WENIGER: EINSTIEG IN EINE GESCHICHTE ÜBER VERLUST

Die Aufgabe

Schreib-Kaffee: in 20 Minuten oder weniger ein den Einstieg in eine Geschichte über Verlust. Schauen wir mal.

Das Ergebnis – nicht in 100 Wörtern, nicht korrigiert und garantiert nicht noch einmal gelesen ;-)

Sein Atem rasselte mit jedem Zug und seine Lungen brannten. Während er pfeifend ausatmete, dachte er kurz darüber nach, dass „brennen“ nicht der richtige Ausdruck war. Es fühlte sich eher an, als würden sie zerreißen, wie das letzte Licht des endenden Tages den ansonsten purpurnen Himmel zerrissen. Golden versprach die Herrlichkeit des Lichts dem Betrachter die ganze Welt. Wright streckte Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand aus, als wolle er von dem köstlichen Schimmer naschen wie von einem Teig.
Am Horizont zog sich der inzwischen schwarze Wald von einem Ende seines Sichtfelds zum anderen und trennte die immer farblos werdende Welt vom verheißungsvollen Licht. Das Licht. Könnte er es doch nur berühren.
„Werd nicht wieder melancholisch,“ kläffte Phil irgendwo hinter ihm wie ein alter Straßenhund. Wright hob seine linke Hand, ohne sich jedoch umzudrehen und deutete ihm, den Mund zu halten. Das brennende Meer des Sonnenuntergangs beschäftigte ihn, nahm ihn ein und ließ Wright seinen Bezug in dieser, seiner Welt verlieren. Seine Atmung normalisierte sich langsam und das Flimmern vor seinen Augen verschwand. Teilweise.
„Nein! Ich werde nicht still sein. Wir müssen endlich los.“ Die Stiefel seines langjährigen Weggefährten verursachten mit jedem Schritt auf dem gefrorenen, teilweise mit Eis oder Schnee bedeckten Dreck des Wendeplatzes laute Geräusche. „Komm jetzt! Sonst fahre ich alleine.“
Die Dringlichkeit, die seine Stimme durch das markante Zittern ausdrückte, war kaum zu überhören. Es war Phil also ernst. Das konnte Wright nicht leugnen, weshalb er sich wiederwillig vom der sterbenden, schmelzenden Sonne losriss und sich – sehr zu Phils unverhohlenen Erleichterung – endlich umdrehte.
„Du nervst,“ drang seine Stimme leise durch die kalte Luft. Wright zog die ledernen Handschuhe in viel zu umständlichen Bewegungen wieder an und zog dann eine großkalibrige Pistole aus dem Halfter unter seinem Mantel.
„Was ist, wenn uns irgendjemand sieht?“
„Wir haben keine Zeit, uns darüber den Kopf zu zerbrechen.“ Viel lauter wurde die Stimme nicht, was dazu führte, dass Phil, dessen roter Kopf aussagte, dass er am liebsten herumgebrüllt hätte, seine Mütze über die Ohren schob, um seinen Partner besser verstehen zu können.
„Wir haben keine Zeit?“ Die Wut ebbte so schnell in Phil auf, wie die Sonne am Himmel verschwand. „Wer von uns beiden steht denn wie zur Salzsäule erstarrt hier herum und gafft in die ferne, als würde er sein Mdchen dort irgendwo wiederfinden?“
„Halt den Mund.“ Lauter, aber weiterhin flüsternd. Etwas gepresst. Das Geräusch des Hahns der gewaltige Pistole klang in Phils Ohren wie ein Donner. Er blickte an sich hinunter und überprüfte den zur Hälfte gefüllten Reservekanister zwischen seinen Beinen. Er war verschlossen und nicht etwa aus eigener Kraft weggelaufen. Schade eigentlich.
Der erste Schuss krachte durch eine akustische Steppe, deren große Räuber der Wind und das gegen Blech schwappende Benzin im Kanistern waren. Bumm. Das Echos peitschte wütend durch die Felder, die sich in alle Richtungen bis zum schwarzen Gürtel des Waldes erstreckten. Phill konnte das hohle Klappern der Patronenhülse auf dem gefrorenen Untergrund hören.
Bumm. Der zweite Schuss. Einer fehlte noch. Selbst Wright würde vor dem dritten Schuss zögern. Jede halbwegs geistig gesunde Mensch – und dazu wurde Wright von Phill in jedem Fall gezählt – würde zögern.
Bumm. Kein Zögern, nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde.
Das stimmte Phill irgendwie traurig.